Wellenbecken

Komm schnell, die Wellen gehen gleich los…

Wohin mit den toten Wagnerianern?

by Knut Holtsträter

Liebe Leute,
heute mal etwas ein bisschen off topic, und zwar gibt es einen Verein in Bayreuth, der die Einrichtung eines so genannten Ruhewaldes – sprich eines Friedhofes – oberhalb des Festspielhauses plant. Dafür hätte er gerne das Gelände, das derzeit von den beiden Waldgruppen des Kindergartens “Spatzennest” der Diakonie genutzt wird. (In einer der Waldgruppen ist mein Sohn, deswegen geht mich das an.)

Vor etwa zwei Jahren gab es bereits eine kleinere Eskalation: Auf einen Artikel im Nordbayerischen Kurier hin, in dem stand, dass der so genannte Ruhewald komme und nur noch der Bauwagen des Kindergartens verstellt werden müsse, haben einige Waldeltern Leserbriefe geschrieben und teilweise sehr unfreundliche Antworten bekommen. Es gab daraufhin eine Begehung des in Frage kommenden Waldstückes mit Vertretern des so genannten Ruhewald-Vereins, der Diakonie, des Kindergartens, der bayerischen Staatsforsten und des Elternbeirats. Als Ergebnis bekam der Elternbeirat des Kindergartens mitgeteilt, dass für den Kindergarten kein anderes Waldstück als das bisherige in Frage komme, der so genannte Ruhewald zudem eine ordentliche Anfahrt brauche, die es dort nicht gibt, und deswegen ein Bereich weiter Richtung Hermannshof günstiger sei. Soweit so gut.

Aber: Vor etwas mehr als zwei Wochen sind an verschiedenen Orten Flyer aufgetaucht, auf denen der so genannte Ruhewald nicht nur beworben wird, sondern auch so getan wird, als sei es sicher, dass das Waldstück, welches der Waldkindergarten nutzt, dafür zur Verfügung stehe. Der Bauwagen wurde auf der Karte einfach viel näher zum Festspielhaus versetzt (dort darf er aus baulichen Gründen aber eigentlich nicht gestellt werden). Dadurch wird allen,die die vergangene öffentliche Debatte mitbekommen haben, der Eindruck vermittelt, es sei eine Einigung herbeigeführt worden, der Kindergarten und der so genannte Ruhewald würden einfach friedlich koexistieren.

Tatsächlich hat aber, soweit ich weiß, niemand vom sogenannten Ruhewald-Verein mit dem Kindergarten und der Diakonie Kontakt aufgenommen (und auch die Staatsforsten waren wohl sehr erstaunt, als sie den Flyer gesehen haben. Auch hier war nicht mehr angefragt worden). Und das Ergebnis der Begehung vor ca. zwei Jahren, das eigentlich einen Platz weiter in Richtung Hermannshof für den Ruhewald vorsah, wird einfach ignoriert. Statt dessen wird erneut mit dem (notabene: nicht existierenden) Festspielblick von den Grabstätten aus geworben.

Hier kann man den Flyer zum Ruhewald (pdf-Format) anschauen

Mit dem Flyer werden Unterschriften zur Unterstützung des Ruhewald-Konzeptes an der Hohen Warte gesammelt, gleichzeitig kann man auch schon ein persönliches Interesse an einer Grabstätte anmelden. Jetzt werden also Fakten geschaffen. Und ganz gezielt wird die Festspielzeit genutzt, um auch Unterschriften von nicht in Bayreuth ansässigen Festspielbesuchern und Wagnerianern zu sammeln.

Der Verein plant nun am Samstag, den 1. August, in der Innenstadt einen Stand aufzubauen und dort für ihre Idee zu werben. Und letztlich denkt sich der Festspielbesucher, der dann so einen Flyer in die Hand gedrückt bekommt: “Hey, tolle Idee, ich muss nicht einmal ankreuzen, sondern kann den Zettel einfach in den nächsten Briefkasten werfen. ‘Porto zahlt Empfänger’, nobel! Und, mmmh, ich wollte mich eh verbrennen lassen, warum sollte meine Asche nicht unter einem Baum liegen.” Was steht denn in dem schicken Flyer sonst noch? Zum Beispiel zweimal die dicke Überschrift: “Die letzte Ruhe finden auf dem grünen Hügel von Bayreuth”. Neben der “guten Erreichbarkeit” wird der “alte Mischwald” und zuguterletzt “der Blick auf das Festspielhaus” angepriesen. Whow, was für ein geiler Scheiss, freut sich da der Wagner-Forscher in mir. (Deswegen schreib ich das auch hier im Blog, sowas muss doch an das Licht der Welt.)

Kehren in Bayreuth also bald nicht nur die lebenden, sondern auch die toten Wagnerianer ein? Der Verein entpuppt sich auf den zweiten Blick als ein durchgeknallter Haufen von Wagnerianern, die sich erhoffen, total wagnermäßig unter der Weltesche Walhall entgegen zu träumen. Zumindest scheint das das Zielpublikum der Ruhewaldfreunde zu sein. Das alles garantiert konfessionsfrei und liberal, weil es sich ja am Ende um einen privaten Unternehmer handelt, der die Pappurnen verbuddelt und die Schildchen an die Bäume nagelt. So im Wald, da kann man bei der Beisetzung auch mal das Tristan-Vorspiel vom Smartphone dudeln und ein bisschen aus Chamberlains Werken vorlesen, man ist ja unter sich.

Und was passiert eigentlich mit diesen lustigen Kärtchen, die man vom Flyer abtrennen und unterschreiben kann? Maria Hebart, die für diese Aktion verantwortlich zeichnet und dann diese ganzen Kärtchen bekommt – und nebenbei bemerkt Leiterin einer Diakonischen Einrichtung ist (richtig, das Wort Diakonie lest ihr gerade zum zweiten Mal…) und Bayreuther Stadträtin (huch, wie praktisch…) – kann dann ihren StadtratkollegInnen eine beeindruckende Zahl an schriftlichen Interessensbekundungen vorlegen. Na, das kommt ja schon fast einem Bürgerbegehren gleich! Und wenn dann erstmal der Stadtrat überzeugt ist und für das Unternehmen des Friedhofs eine Pacht ausgemacht ist, kann der Staatsforst dann auch nichts mehr dagegen sagen und lässt die Wagnerianer gewähren.
Was Richy kann, das können wir auch und legen uns für die ewige Ruhe einfach mitten rein in die Landschaft. Oder wie Mario Adorf mal in Kir Royal sagte: “Ich scheiß’ Dich zu mit meinem Geld.” Dass dieser Wald aber eines der wichtigsten Nacherholungsgebiete für Bayreuth gehört und nebenbei von einem Waldkindergarten genutzt wird, der händeringend versucht, mit dem ominösen Verein in ein Gespräch zu kommen, scheint die Stadträtin und die Gesinnungsgenossen der Waldfreunde aber nicht zu stören.

Was würde Richard Wagner wohl dazu sagen, wenn er noch was dazu sagen könnte? Ich glaube, er würde sich ärgern, dass er nicht selber auf diese grandios durchgeknallte Idee gekommen ist. Richard war ja immer auf der Suche nach einer guten Geschäftsidee. Aber die Aktion kommt doch von einem Verein… und die Stadträtin wird doch nichts daran verdienen, oder? Ja, wer setzt am Ende eigentlich die Pappurnen in die Erde und setzt die Schildchen an die Bäume?

Also liebe Leute die Ihr so einen Flyer in die Hand bekommt, lasst Euch sagen: Egal ob Ihr unsern Richy toll findet oder nicht – ich weiß, im Grunde unseres Herzens hat er bei allen von uns ein Zimmerchen frei – egal, ob Ihr lieber unter einem Baum biologisch abbaubar verbrannt oder ganz konventionell unter einer Natursteinplatte versiegelt werden wollt, egal ob ihr aus Bayreuth kommt oder nicht, lasst Euch nicht von dieser verlogenen Aktion in den Karren spannen und schmeißt diesen Flyer entweder in den Müll oder versucht ihn im neuen Cafe der Villa Wahnfried gegen einen Cappuccino einzulösen.

Knut Holtsträter

Dr. Knut und seine Sohne, 19.6.2015, Linker Laden, Hamburg

by Knut Holtsträter

Im Rahmen des diesjährigen Blurred Edges-Festivals spiele ich ein Konzert mit der lieben Sohne, und zwar am 19.6.2015 im Linken Laden, Kleiner Schäferkamp 46 in Hamburg. Pia und Felix hatten die Idee, dass ich ein Solo-Set spiele. Welche Ehre, dachte ich mir und hab sofort mal ne Geschichte herumgebaut, die man auf http://www.vamh.de/index.php?what=blurred_edges&year=2015&gig=2743 lesen kann. Für Klickfaule hier noch mal der Text :)

Dr. Knut und seine Sohne. eine Adoption in drei Teilen

Pia Abzieher: synthesizer, piano
Sascha Brosamer: live-electronic, harp
Sebastian Bauhof: cello
David Leutkart: synthesizer
Felix Mayer: trombone

Sohne spielen seit 2012 zusammen improvisierte Musik. Ihre fünf Mitglieder kommen aus Freiburg, Halle, Hamburg und Karlsruhe. Sohne klingen wie Kammermusik, Free Jazz, Noise, Ambient oder einfach nach Autounfall. In ihrer Zeit als Panzerheuschrecke stießen sie mehrmals auf die Hansestadt Bayreuth. Jedes Mal war es ganz schlimm, weil alle immer so viel wussten und vor lauter klanglicher Schönheit weinen mussten. Manchmal gab es aber auch Ärger, weil alles so laut war. Aber am Ende hatten sich doch alle wieder lieb. Deshalb freuen wir uns ganz wahnsinnig darauf, in Hamburg zusammen Krach zu machen.

Knut Holtstraeter: E-Gitarre, Stimme, kleine Freunde

Nachdem der 1000-jährige Krieg zwischen der Hansestadt Bayreuth und der Messestadt Leipzig beigelegt wurde, kann der Captain sich seinem zivilen Leben zuwenden und wird wieder zu Dr. Knut, der sich ein Herz fasst und die mutterlose Panzerheuschreckenlarve Sohne an Kindes statt annimmt.

Wie man sieht, ist da einiges drin :) Wer da gerade in Hamburg ist, kann ja der Adoption beiwohnen.

Aufnahmesession mit Neumann und Taurus

by Knut Holtsträter

Gestern haben Matthias und ich uns mal wieder zusammengesetzt, und diesmal hat Matthias einen kleinen Maschinenpark aufgebaut: er spielte seine Collings Dreadnought (über zwei SM57er in Kreuzanordnung auf den Steg gerichtet abgenommen) und bediente mit den Füßen einen Moog Taurus, der direkt ins Mischpult ging. Ich sang (und spielte Harp) über ein extrem luxuriöses (und unerbittliches) Großmembran-Mikro von Neumann (mit Ploppschutz), die Collings Parlor lief über den Raumklang in die Mikros.
Die Mikros und der Taurus gingen ins Mischpult, so dass wir noch ein bisschen nachregeln konnten, und dann über einen Halleffekt direkt ins Aufnahmegerät.
Wir hatten also eine ähnliche Aufnahmesituation wie in einem Sendestudio im Radio.
Dadurch, dass ich relativ nah ans Mikro gehen konnte, musste ich nicht so laut singen und konnte gerade bei den tiefen Passagen ein bisschen mehr ins Sprechen gehen.

Den Bass vom Taurus hört man nicht unbedingt über die Rechnerboxen, aber er fundiert alles ein wenig und ebnet den gesamten Sound ein wenig ein.

Für das nächste Mal werden wir versuchen, auch die kleine Parlour ein bisschen näher abzunehmen, so dass die Gitarren noch ein wenig ausgewogener sind.
Viel Spaß beim Hören:

 

Du wärst froh

Alarm

Anna

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