Stilberatung: While my guitar gently weeps…?

von Knut Holtsträter

Wenn man glaubt, alles gesehen zu haben, kommt doch irgendso ein Gitarrist daher und zeigt, wie man die Gitarre nochmal ganz anders beharken kann. Nels Cline, Gitarrist von Wilco und einer der profiliertesten Avantgarde-Gitarristen im Grenzbereich von Post-Pop, Jazz und der Freien Improvisation, beispielsweise singt durch die Pickups seiner Gitarre…

Und wie geht das? Wenn Gitarren-Pickups mikrofonisch sind, d.h. zu viele Nebengeräusche produzieren und zu schnell ins Feedback kippen, baut man sie normalerweise schnell aus. Man kann man sie aber auch in der Gitarre drin lassen und sie wie ein Mikrofon benutzen. Besonders gut geht es bei älteren, nicht mit Wachs vergossenen PUs. Ich habe es selber bei den vollverwachsten TexasTwisters meiner gepimpten Cheapo-Strat versucht – natürlich mit Delay, damit man auch nachhorchen kann -, und ich musste schon doll in die Gitarre reinschreien, um eine leise Geisterstimme aus dem Verstärker zu hören. Zudem sieht es extrem bescheuert aus, die Hecks haben’s gebührend kommentiert ;-)

Nels Cline ist dahingehend natürlich über jeden Zweifel erhaben, besonders wenn man nach dem Gitarre ansingen so virtuos mit den Effekten hantiert.

Das Gerät, das Cline zwischen sich und der Gitarre hält, ist ein Big Mouth Jam’n, ein in den USA erhältliches Spielzeug-Mini-Megaphon, das neben der Verstärkung der Stimme auch alberne Piep-Sounds von sich gibt. Damit kann er auch seine (wahrscheinlich) recht hochwertigen Fender-PUs ‚anblasen‘.

In den Foren wird geschrieben, dass die Gitarrensingerei bei P90s besser funktioniert. Mal sehen, vielleicht erhört der PU meines Ideal-Schlagbretts aus den 60ern mein Gesäusel…