Wellenbecken

Komm schnell, die Wellen gehen gleich los…

Tag: Knut

2013, das Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen

by Knut Holtsträter

Die Hansestadt Bayreuth hat im Jahr 2013 insgesamt zu 27 offiziellen und inoffiziellen Gelegenheiten das Hörgerät mitlaufen lassen, die Gesamtspielzeit dürfte dem Licht-Zyklus von Karlheinz Stockhausen Konkurrenz machen. Wir haben etwa 6 Stunden von dieser Spielzeit in unsere diversen Soundclouds gestellt. Von diesen 6 Stunden werden bald 2 Stunden auf einer Doppel-CD erscheinen. Insofern kann man wohl von einem Best of Hansestadt 2013 sprechen Der CD-Release wird bald noch angekündigt. Danke Leute, Ihr seid alle total geil. Und das Jahr 2014 wird noch praller! :)

Hier nochmal der Vollständigkeit halber die beiden Soundclouds:

Falls Ihr noch nicht genug bekommen habt, hier noch die Playlists, die auch Hansestadt-Musik von den Einzelkonten der hanseatischen Einzelkünstler enthalten :)

Einmal „Etwas von der Hansestadt“:

Und dann noch „2000 Jahre Richard Wagner“, die Musikstücke für den ‚Stellenhörer‘:

Viel Spass beim Durchklicken. Wer unsere Konten komplett durchhört, bekommt beim nächsten Auftritt ein Bier geschenkt. (Als Beweis werden Wundmale, Krankenscheine oder ähnliches akzeptiert.)

PS: Die Hansestadt fährt in diesem Jahr nach Leipzig und München, aus Bayreuther Sicht also quasi eine Europa-Tournee :)

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Sonischer Dechiffrierungsabend mit der Hansestadt Bayreuth & Freunden

by Knut Holtsträter

Menschenrechtsaktion10122013SchokoBT

Die Entschlüsselung der Utopie zum Tag der Menschenrechte
Zum Tag der Menschenrechte in der der Schokofabrik Bayreuth am 10.12. 1013

Der 10. Dezember als Tag der Verkündung wird seit 1948 als Internationaler Tag der Menschenrechte begangen und wurde 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris genehmigt und verkündet.

Soweit der äußere Umstand, aber was geschah wirklich: Im Freihafen der Hansestadt Bayreuth wurde ein nicht registrierter Klangcontainer mit unbekannten Inhalt entdeckt. Die Zollinspektoren der Hansestadt Bayreuth werden diesen sicherstellen und ihn unter Zuhilfenahme sonischer Entschlüsselungstechniken eröffnen. Was wird sich zeigen? Wir machen uns auf das Schlimmste gefasst.

Begleitet von der Videoinstallation „Die 10 Musen“ von Hrafna-Visualart, Textperformances, Fotoausstellung und Film, vermischen sich hier Raum, Ort und Zeit der Klangkultur der Hansestädter zu einem Gesamtkunstwerk, das die Abgründe von Menschenrechtsverletzungen darstellt. Die Amnesty Gruppe Bayreuth informiert und begleitet den Abend mit einem Infostand zum Thema. Nahezu täglich werden in den Medien von schweren Menschenrechtsverletzungen berichtet, sei es im syrischen Bürgerkrieg, Folter politischer Gefangener in Äthiopien, das Flüchtlingsdrama vor Lampedusa oder der aktuellen NSA-Affäre.

Es gibt eine besondere Aktion für Schulklassen! Schulklassen sind aufgefordert ihre Bild, Text und Videobeiträge zum Thema Menschenrechte einzureichen. Die entstanden Arbeiten werden in der Schoko e.V. präsentiert. Arbeiten sind bis zum 8.12.2013 im Schoko e.V. oder unter weltenall@gmx.de einzureichen. Der Publikumsliebling wird vor Ort prämiert.

Wir haben uns für den Abend gedacht, dass wir mal von unserer Bühne aus ein Mini-Gesamtkunstwerk in die anderen Teile der Schokofabrik senden und dem Gebäude eine sonische Orientierung geben, die es – als architektonische Einzelkunst – Anteil an dem kurzlebigen, menschlichen Treiben nehmen lassen. Damit das geht, müssen die Künstleringeneure der Hansestadt ran:

1) Gohlksträter. Das sind Andi Gohlke (Laptop, Syntheziser) und Knut Holtsträter (Gitarre, Effekte). Ihres Zeichens Navigation und Maschinenraum der Hansestadt Bayreuth, Konstrukteure des universitären Wagner-Flugzeugs, Programmierer der sübkültürellen Wagner-Drohne, kampferprobte Bierbrezel-Vernissagisten.

2) Im zweiten Set zum Quartett komplettiert durch Anja Zeilinger (Performance, Lesung, Stimme) und Felix Schrade (Saxophone, Elektronik). Alle vier sind Die Sehnsüchtigen, die 2014 mit der LIDL-Rakete durch die Blaue Nacht fliegen und vor einem außerirdischen Lagerfeuer den Polarstern betrachten werden.

Die visuelle Komponente der Hansestadt wird an diesem Abend der Menschenrechte auf drei Materialebenen stattfinden: Licht, Menschen und Materie. Das Licht wird vertreten durch digitale Videoprojektion und analoge Dia-Projektion, die Materie durch die hansestädtische Einzelkunstform der autarken Plane, und die Menschen durch uns, die Menschen.

Inhalte der visuellen Komponente werden Tod und Geburt sein, Farbspiel und Abstraktion und Bewegung und raschelnde Transparenz. Die akustische Dimension wird vom Maschinendröhnen der Wagner-Drohne, vom instrumentalen Schrei und vom Lautieren des Sternenkindes geprägt sein. Das Menschenrecht ist eine Utopie und wir werden versuchen, dieser Utopie an diesem Abend zu einem kurzen Dasein zu verhelfen.

Wir, die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Bayreuth, sind guter Hoffnung, dass das alles ein Riesenspaß wird, wir Momente höchster Konfusion und tiefster Demut erleben werden und wir dem Zweck des Tages, dem Anmahnen der Menschenrechte, in menschlicher und künstlerischer Hinsicht gerecht werden können.

Wie lange kann man am Stück improvisieren?

by Knut Holtsträter

Diese Frage habe ich mir in der Rückschau auf die Hansestadt-Performance bei Campus-Kandinsky gestellt. Wir waren als Trio (Andi, Matthias zum ersten Mal und ich) eigentlich für eine halbe bis dreiviertel Stunde eingeplant, und das fühlte sich von den Absprachen und Erfahrungen aus der Klangwerkstatt auch ganz gut an. Aber dann wurde nichts aus dem darauffolgenden Auftritt des Blauen Elefanten (Thaddl, Felix, Andi zum ersten Mal beim BE und ich), weil die für uns sichtbare Zusschauermenge nicht die kritische Masse für die theatrale Performance überschritt. Der Elefant ist ja eher was Durchstrukturiertes, auf Frontalwirkung ausgerichtetes Ding, kein entrücktes Gegniedel, sondern vorne an die Rampe treten und draufhauen. Das ergab sich bei den vereinzelten Vernissage-Schlenderern irgendwie nicht. Deswegen haben wir einfach das Trio weitergeführt, noch Felix und Thaddl beigeholt und insgesamt viereinhalb Stunden gespielt.

Das war schon schön, hier ein kleines Hörbeispiel, endlich mal auch mit Thaddäus im typischen Gniedel-Kontext der Hansestadt. Man beachte die Textcollage :)

Das war aber nicht unbedingt typisch für die lange Spielzeit, wir haben viel instrumentale Flächen erzeugt.

Zugegebenermaßen war ich nach dem Auftritt komplett kaputt, das feuchtkalte Klima in den Katakomben und der lange Aufenthalt dort war ein echter Schlauch. Die Frage, die sich mir nach dem Auftritt stellte, war: Wie konnten wir es trotz der widrigen Umstände hinbekommen, so lange zu spielen, ohne dass es für uns langweilig oder unerträglich wurde? (Für die Zuhörer kann ich ja nicht sprechen, deswegen können wir sie ruhig ausblenden.) Das Interessante – das war schon während der Performance zu beobachten – war, dass wir bei diesem langen Zeitraum keine Sorge haben brauchten, dass einer von uns nicht zu Wort kommt. Umgekehrt konnte jeder sich einen kleinen Ego-Ausflug leisten, und die anderen konnten das beobachten und mit dem Publikum kommentieren, sich ein Bier holen, durch die Ausstellung laufen, fachsimpeln und versuchen der Reporterin vom Nordbayrischen Kurier einen brauchbaren Text in den Block zu diktieren.

Das tatsächliche Musizieren wurde dabei zu etwas, das nicht durchgehend die komplette Aufmerksamkeit beanspruchte. Die Immersion oder der Flow, das Gefühl der Selbstwirksamkeit, das sich beim Improvisieren einstellt, konnte uns in Wellen erreichen. Dabei waren diese Wellenberge und -täler der Immersion immer individuell: Wenn Matthias sich total in seinen Akkorden auflöste, konnte ich über die Schrottigkeit meines Ringmodulators nachdenken. Derweil sich Andi wahrscheinlich durch seine Soundbanks klickte und Felix versuchte, dem Gestotter meines Ringmods einen musikalischen Sinn abzutrotzen. Die Tatsache, dass dieses Auf und Ab der Aufmerksamkeiten als Ganzes funktioniert, hat sicher mit der Anzahl der Beteiligten zu tun. Wenn 10 Leute zusammen improvisieren, würden sich die vielen Wellenbewegungen nivellieren und es wahrscheinlich eher ein kontinuierliches Kabbelwasser geben. Wenn nur zwei Musiker diese Wellen erzeugen würden, würde es manchmal starke Interferenzen geben, aber manchmal vielleicht auch garnichts. Die Zahl Vier (Andi, Felix, Matthias und ich) hat sich bei diesem Setup mal wieder als die perfekte Verursachermenge des gegenseitigen Hochschaukelns und Abwiegelns erwiesen. (Thaddäus fällt als Sprecher ein bisschen heraus, und sei es nur, weil der Träger einer sprechenden oder singenden (Live-)Stimme immer als ‚Vorne‘ besetzt wird, und die anderen als ‚Hinten‘. Wir haben dieses Prinzip in obigem Beispiel manchmal in jenen Momenten ausgehebelt, in denen Thaddls Stimme über Felix‘ Schranzmaschinen zerstört werden – ein Effekt, der mich schwer beindruckt hat: Das akustische Sprechereignis klang wie durch den Schredder, aber der Sprecher stand leibhaftig und unbeschadet vor mir.)

Wir planen für die Erlanger Klangkunst-Tage ein Set von acht Stunden. Das ursprüngliche Konzept ging noch von 24 Stunden aus, aber das war von den Räumlichkeiten her (Schließdienst usw.) nicht machbar. Und für Juni in Bayreuth eine Performance von maximal 8 Stunden im Gespräch. Ich bin sehr gespannt, ob das nochmals so gut funktioniert, oder ob es der besondere Ort war, der uns so mitgenommen und mitgezogen hat.

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